„Die Physiker“

Dass es etwas ganz anderes ist, ein Theaterstück im Deutschunterricht zu besprechen, als es dann auf der Bühne gespielt zu sehen, konnten jetzt die Schüler*innen der EF hautnah erleben. Ein Besuch der Inszenierung von Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ im Mülheimer Theater an der Ruhr stand auf dem Stundenplan.

Foto: J. Schmitz (Theater an der Ruhr)

Und während im Unterricht immer wieder von den Schüler*innen betont wurde, dass das Stück doch nun wirklich wenig mit einer Komödie zu tun habe, gab es im Publikum viel zu lachen. Die drei berühmten Physiker Einstein, Newton und Möbius, die so tun, als seien sie verrückt und müssten daher in einer Irrenanstalt leben, spielten wirklich herrlich komisch die Verrückten – jeder auf seine Weise. Auch die recht hysterische Anstaltsleiterin und der überforderte Inspektor, der gleich drei Morde aufklären muss, sorgten für Lacher. Das eigentliche Thema des Stückes, die Verantwortung der Wissenschaft – kam aber auch nicht zu kurz. Dabei wurden zahlreiche dramaturgische Kunststücke eingesetzt. So wurde beispielsweise das Publikum mit der zentralen Frage, wie man als Wissenschaftler verhindern kann, dass die Forschung missbraucht wird, direkt konfrontiert, indem die Schauspieler minutenlang stumm ins Publikum schauten. Auch die bedrohlich-düstere Atmosphäre der Schlussszenen machte erfahrbar, wie gefährlich und beängstigend es ist, wenn Forschungsergebnisse in die falschen Hände gelangen. Sicherlich wird es einige Schüler*innen überrascht haben, wie frei der Regisseur Jo Fabian mit Dürrenmatts Vorlage umging. So agierte etwa eine ganz neue Figur – der Wissenschaftler Neumann –  auch auf der Bühne. Auf diese Weise wurde aber deutlich, dass mit der Niederschrift eines Theaterstückes noch längst nicht alles „erledigt“ ist und auch die Analyse eines Dramas im Deutschunterricht dem Stück nicht gerecht werden kann. Die Inszenierung auf der Bühne vor Publikum macht ein Stück erst „vollständig“.